Deutsche Geschichten
2. Weltkrieg
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Feldzuges informiert hatte, erfuhr Ulrich von Hassel, Kopf des bürgerlich-konservativen Widerstandes von den Befehlen, die General-
stabschef Halder unterschrieben hatte. Hassels Urteil war eindeutig und weitsichtig, mit „dieser Unterwerfung unter Hitlers Befehle“ werde die Ehre „der deutschen Armee“ geopfert. Die Bevölkerung wurde auf den Krieg gegen die Sowjetunion entgegen der bisherigen Praxis propagandistisch nicht vorbereitet. Erst nach dem Angriff vom 22. Juni versuchte die Propaganda, den Krieg als eine militär- und machtpolitische Notwendigkeit und als Abwehrkampf gegen die bolschewistische Gefahr darzustellen. Doch es gibt keinen Beleg, der den Russlandfeldzug als Präventiv-
krieg rechtfertigen lässt. Denn die deutsche Führung fürchtete zu keinem Zeitpunkt - weder Ende 1940, als die Entscheidung für das Unternehmen „Barbarossa“ fiel, noch in der ersten Hälfte des Jahres 1941, als der Aufmarsch erfolgte - einen unmittelbar bevorstehenden Angriff Stalins. Sie war sich vielmehr sicher, wie Goebbels in seinem Tagebuch am 16. Juni 1941 registrierte, dass der „Bolschewismus wie ein Kartenhaus zusammenbrechen wird“.

Krieg auf dem Balkan

Während die Angriffsvorbereitungen für den Ostfeldzug auf vollen Touren liefen, zwang Mussolini das Deutsche Reich, sich erneut im Mittelmeerraum militärisch zu engagieren.

Benito Mussolini

Die Feldzüge im April und Mai 1941 gegen Jugoslawien und Griechenland wurden als militärisch notwendig angesehen, nachdem Mussolinis Truppen in Albanien und Nordafrika um die Jahreswende 1940/41 in Bedrängnis geraten waren und die britischen Luft- und Seestreitkräfte vom griechischen Minister-
präsidenten Ioannis Metaxas (1871-1941) schon Ende Oktober 1940 zu Hilfe gerufen worden waren. Um die arg bedrängten Italiener zu entlasten sowie die Bedrohung der sehr verwundbaren militärischen Flanke im Südosten Europas durch die britische Luftwaffe zu verhindern und auch die kriegswirtschaftlich wichtigen rumänischen Ölfelder vor britischen Bombenangriffen zu schützen, ordnete Hitler am 13. Dezember 1940 die Vorbereitung des Balkanfeldzuges an. Die turbulenten politi-
schen Vorgänge in Belgrad Ende März 1941, bei denen schließlich eine prowestliche, nationalistische Regierung unter General Dusöan Simovic die Macht übernahm und den 27-jährigen Peter II. zum König machte, riefen Hitlers zornige Reaktion und eine Forcierung der deutschen Angriffspläne hervor. Mit dem Balkanfeldzug, der mit den Überfällen auf Griechenland und Jugoslawien am 6. April begann und mit der Kapitulation der jugoslawi-
schen Armee am 17. April sowie der griechi-
schen Armee am 21. April beendet wurde, war zwar der Zeitplan, nicht aber die Zielsetzung für den Russlandkrieg durcheinandergeraten.

In den neuen Besatzungsgebieten auf dem Balkan wurden zudem erhebliche Truppen-
verbände gebunden, da sich dort sofort Widerstands- und Partisanenbewegungen bildeten, die trotz blutiger und brutal geführter militärischer „Säuberungsaktionen“ nicht niedergehalten werden konnten.

Vormarsch in der UdSSR

In den frühen Morgenstunden des 22. Juni 1941 überschritt die deutsche Wehrmacht mit drei Millionen Soldaten - das waren insgesamt 153 Divisionen - ohne Kriegserklärung die Grenze zwischen der deutschen und sowjetischen Machtsphäre. Der Russlandfeldzug war als „Blitzfeldzug“ geplant, Waffen- und Geräteausstattung des Ostheeres waren nur für eine Kampfdauer von drei Monaten ausgelegt, der Munitionsvorrat reichte nur für zwölf Monate, und nennenswerte personelle Reserven standen nicht mehr bereit. Die deutsche politische und militärische Führung ging davon aus, dass der Russland-
feldzug vor dem Einbruch des Winters zu Ende sein werde, die Mehrheit der Verbände war darum nicht mit Winterkleidung ausgestattet. Mit der in Polen und Frankreich erprobten Strategie der Panzerstoßkeile und der Kessel-
bildungen gelangen den drei deutschen Heeresgruppen in den ersten Wochen

tatsächlich gewaltige Raumgewinne. Nach etwas sechs Monaten standen die deutschen Truppen westlich von Rostow und in Charkow sowie vor Moskau und östlich von Leningrad.

Leningrad

Am 2. Oktober eröffnete die Heeresgruppe Mitte ihren Angriff auf Moskau, bis die Schlammperiode Mitte Oktober die Angriffs-
operationen stoppte. Als die deutschen Trup-
pen am 15. November erneut zum Angriff antraten, blieb ihre Offensive 30 Kilometer nördlich und etwa 50 Kilometer südlich von Moskau stecken. Die Rote Armee ging am selben Tag zur Gegenoffensive über, worauf Hitler der Heeresgruppe Mitte befahl, „fanatischen Widerstand“ zu leisten.

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Ostfront

Der Oberkommandierende des Heeres, Generalfeldmarschall von Brauchitsch, legte daraufhin sein Amt nieder. Dies löste nach den erheblichen Meinungsverschiedenheiten, die im Spätsommer zwischen Hitler und General-
stabschef Halder über den Schwerpunkt des deutschen Angriffs ausgebrochen und von Hitler für sich entschieden worden waren, die zweite und noch schwerere militärische Krise aus. Sie führte nun zur Übernahme des Oberbefehls des Heeres durch Hitler persönlich und zu einem neuerlichen Revirement im Oberbefehl der Heeresgruppen. Damit hatte das Heer endgültig seine Autonomie verloren, was die Offiziere jedoch nicht daran hinderte, als Hitlers treue Helfer ihren militärischen Dienst weiter auszuüben.

Verluste und Niederlagen

Der Angriff wurde für die deutsche Wehrmacht nach raschem Vormarsch bald zu einer Katastrophe: Das Ostheer verlor zwischen Ende Juni 1941 und Ende März 1942 an Toten, Verwundeten und Vermissten über eine Million Mann, die Krankheitsfälle nicht mitgerechnet. Der personelle Ersatz, der an die Ostfront in derselben Zeit geschickt wurde, betrug nur 450000 Mann. Hinzu kamen gewaltige Verluste an Rüstungsmaterial. Auch die ökonomische Ausbeutung der eroberten Gebiete brachte längst nicht die erwünschten Ergebnisse. Hingegen zeigte die sowjetische Rüstungs-
industrie nach der Verlagerung der Rüstungsbetriebe in den Osten des Landes eine gewaltige Leistungssteigerung, und vor allem demonstrierte die Sowjetunion mit ihrem Sieg vor Moskau ihre Fähigkeit, alleine den Angreifern zu widerstehen. Das sollte ihr internationales politisches Gewicht, nachdem das Regime von fast allen Beobachtern schon aufgegeben war, drastisch erhöhen. Umgekehrt musste sich die deutsche Führung eingestehen, dass ihr Blitzkriegsplan gescheitert war. Der Befehlshaber des Ersatzheeres, Friedrich Fromm, hielt im November 1941 angesichts der Aussichts-
losigkeit der Lage einen Friedensschluss für ratsam. Fritz Todt, Minister für Bewaffnung und Munition, kam Ende November mit demselben Rat zu Hitler. Auch Hitler schien sich solchen Ahnungen und Überlegungen nicht zu verschließen und erging sich in düsteren und menschenverachtenden Endzeitbildern. „Wenn das deutsche Volk einmal nicht mehr stark und opferbereit genug sein wird, sein eigenes Blut für seine Existenz einzusetzen, so soll es vergehen und von einer anderen, stärkeren Macht vernichtet werden.“ Doch solche Ahnungen wurden dann wieder sehr schnell von dogmatischen Kriegszielplanungen verdrängt, mit denen Hitler eine letzte globale Etappe des Krieges einleiten wollte, die in einem Alles oder Nichts den Sieg bringen sollte.

Deutscher Kindersoldat

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