Deutsche Geschichten
Deutsche Revolution
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Regierung seiner Geschichte. Die MSPD und die Fortschrittspartei stellten je zwei Staats-
sekretäre, das Zentrum drei.

Waffenstillstand

Unterdessen beharrte die OHL auf ihrer ultimativen Forderung nach einem deutschen Waffenstillstandsgesuch; sie wollte militärisch für nichts mehr garantieren. Noch am 3. Oktober 1918 musste Prinz Max ihrem Druck nachgeben. In einer diplomatischen Note richtete er an den amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson die Bitte, alle kriegführenden Staaten zu Friedensverhandlungen einzuladen. Als Verhandlungsgrundlage sollten die "14 Punkte" dienen, ein Friedensprogramm, das Wilson seit Anfang des Jahres immer wieder verkündet und weiterentwickelt hatte; es beruhte auf den Grundsätzen "Herrschaft des Rechts und der Demokratie überall", "Selbst-
bestimmungsrecht der Völker" sowie "unpar-
teiische Gerechtigkeit und Gleichberechtigung" im Leben der Völker. Der entscheidende Satz der deutschen Note lautete: "Um weiteres Blutvergießen zu vermeiden, ersucht die deutsche Regierung, den sofortigen Abschluss eines Waffenstillstandes zu Lande, zu Wasser und in der Luft herbeizuführen." Ludendorff und Hintze hatten ihr Ziel, die OHL gewisser-
maßen aus der politischen Schusslinie zurückzuziehen, erreicht. Denn da die neue Regierung darauf achten musste, die deutsche Verhandlungsposition nicht zusätzlich zu schwächen, durfte sie die Fehlleistungen der Generalität nicht öffentlich kritisieren. Sie musste sogar die Friedensnote als ihr eigenes, politisch begründetes Werk ausgeben, wäh-
rend das Militär weiterhin als kriegsbereit und kampffähig zu gelten hatte.

Das Waffenstillstandsgesuch wirkte auf die bereits verunsicherte Bevölkerung wie ein Schock. Vier Jahre lang hatte man alles getan, um den Krieg zu gewinnen: einen "Burg-
frieden" geschlossen und die Austragung sozialer Konflikte auf die Nachkriegszeit verschoben, den "Heldentod" von Angehörigen und Freunden hingenommen und den durch die britische Seeblockade verursachten Massenhunger ertragen, der etwa eine halbe Million Todesopfer forderte. Jetzt löste sich der von der kaiserlichen Propaganda unermüdlich versprochene "Siegfrieden" in nichts auf. Mit der schmerzlichen Erkenntnis, dass alle Anstrengungen und Entbehrungen vergeblich gewesen waren, entstand aus der physischen und psychischen Kriegsmüdigkeit bei großen Teilen der Bevölkerung ein rasch um sich greifender Friedenswille.

Waffenstillstand
Am 4. Oktober 1918 hatte die deutsche Reichsregierung ein Waffenstillstandsgesuch an den amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson gesandt.

Anders als die zu zähen Verhandlungen bereite Regierung kannten die friedensbewegten Massen nur ein Ziel: die sofortige Beendigung des Krieges ohne weiteres Blutvergießen. Sie politisierten und radikalisierten sich in dem Maße, in dem der ersehnte Friedensschluss auf sich warten ließ.

Revolution

Ende Oktober 1918 wollte - mit Ausnahme der USPD - keine der Reichstagsparteien die Abschaffung der Monarchie, geschweige denn eine Revolution. Die "Mehrheitsparteien" wünschten vielmehr, um das Problem des Friedensschlusses zu lösen, eine ruhige demokratische Entwicklung. Dazu kam es jedoch nicht mehr - zum einen, weil die immer weiter anschwellende "Friedensbewegung" bereits die Abdankung des Kaisers zu ihrer Forderung erhoben hatte; zum anderen, weil Kaiser und Militär mit provozierenden Aktionen demonstrierten, dass sie nicht gewillt waren, die neue demokratische Ordnung zu respek-
tieren und mit Regierung und Parlament loyal zusammenzuarbeiten. Am 29. Oktober 1918 reiste Wilhelm II. ohne Rücksprache mit dem Reichskanzler (zu der ihn die Oktoberverfas-
sung verpflichtete) nach Spa ins Haupt-
quartier der OHL, um sich dem zunehmend friedensbewegten und antimonarchischen Klima in Berlin zu entziehen. Dieser Schritt wirkte freilich wie eine Flucht und fügte dem Ansehen der Hohenzollernmonarchie schweren Schaden zu.

Oktoberverfassung
Am 22. Oktober trat der Reichstag wieder zusammen, um die inzwischen ausgearbeitete Verfassungsreform zu beraten ...


Matrosenrevolte

Seit dem Beginn der Verfassungsberatungen im Reichstag am 22. Oktober bereitete die Seekriegsleitung ohne Wissen der Reichsregie-
rung einen Angriff auf die britische Flotte im Ärmelkanal vor. Die seit 1916 vor Wilhelmshaven und Kiel ankernden Schiffe sollten ab 29. Oktober Richtung Themse-
mündung auslaufen. Dieses Unternehmen hintertrieb nicht nur die Friedenspolitik der Regierung des Prinzen Max, auch militärisch war die Aktion sinnlos: "Wenn auch nicht zu erwarten ist, dass hierdurch der Lauf der Dinge eine entscheidende Wendung erfährt, so ist es doch aus moralischen Gesichtspunkten Ehren- und Existenzfrage der Marine, im letzten Kampf ihr Äußerstes getan zu haben," heißt es in der Eintragung im Kriegstagebuch der Seekriegsleitung vom 25. Oktober 1918.

Matrosenaufstand
Als die Marineleitung Ende Oktober 1918 der in den Häfen seit Jahren untätig liegenden Hochseeflotte den Befehl gab, zu einem letzten großen Einsatz ... weigerten sich die Matrosen ...

Die Matrosen erkannten rasch, dass sie von der Admiralität unmittelbar vor dem Ende des Krieges noch auf eine "Todesfahrt" geschickt werden sollten. In den Mannschaften gärte es bereits seit langem wegen der menschenun-
würdigen Behandlung durch ihre Vorgesetzten, der schlechten Verpflegung, des eintönigen Dienstes und der drangvollen Enge an Bord (Landurlaub gab es nur selten). Am 29./30. Oktober löschten die Matrosen auf mehreren vor Wilhelmshaven liegenden Schlachtschiffen das Feuer unter den Kesseln und zerstörten die Ankerlichtmaschinen, um das Auslaufen zu verhindern. Die Seekriegsleitung musste ihren Angriffsplan fallen lassen. Sie ließ mehr als eintausend Meuterer verhaften und in Wilhelmshavener und Kieler Militärgefängnisse bringen; ihnen drohte das Kriegsgericht und die Todesstrafe. Am 1. November forderten Kieler Matrosen vergeblich die Freilassung ihrer Kameraden.
Am 2. diskutierten sie mit Marinesoldaten und Hafenarbeitern im Gewerkschaftshaus über die Lage. Am 3. formierte sich in der Stadt ein großer Demonstrationszug, auf den eine Militärpatrouille auf Befehl ihres Leutnants das Feuer eröffnete.

Am Morgen des 4. Novembers wählten die Mannschaften Soldatenräte, bewaffneten sich und entwaffneten ihre Offiziere. Der Kieler Militärgouverneur wurde gezwungen, die gefangenen Meuterer freizulassen. Matrosen und Marinesoldaten besetzten die wichtigsten militärischen und zivilen Dienststellen. Hamburger und Lübecker Heereseinheiten, die den Aufstand niederschlagen sollten, wurden schon auf dem Kieler Bahnhof entwaffnet und verbrüderten sich mit den Kameraden der Marine. Als die Aufständischen am Abend bereits die ganze Stadt kontrollierten, erhielten sie Unterstützung von den solidarisch in Streik getretenen Werft- und Industriearbeitern. Jetzt schalteten sich die Kieler MSPD und die USPD ein und einigten sich auf einen paritätischen Arbeiterrat. In der Nacht organisierten sie einen "Provisorischen Zentralen Arbeiter- und Soldatenrat" als neues Machtzentrum, in dem sie gemeinsam den entscheidenden Einfluss ausübten. Aus Berlin traf der MSPD-Abgeordnete Gustav Noske ein, der die Gemüter beruhigen und die Lage unter Kontrolle bringen sollte.

Gustav Noske

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