Deutsche Geschichten
Die 68er-Bewegung und ihre Folgen

"Revolution ist nicht ein
kurzer Akt, wo mal irgendwas geschieht und dann ist alles anders. Revolution ist ein langer komplizierter Prozess, wo der Mensch anders werden muss." (Rudi Dutschke)

Die 68er-Bewegung

Die verschiedenen weltweiten Strömungen, welche seit Mitte der 60er Jahre gegen die überkommenen politischen, kulturellen und sozialen Verhältnisse und Normen protestierten, werden heute allgemein unter dem Begriff der "68er-Bewegung" zusammengefasst, wobei die Kritik an den bestehenden Verhältnissen sich zunehmend in destruktiven Aktionen äußerte.

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Zeitzeugenbericht:
68er-Bewegung

Diese Radikalisierung gegen das sog. "Establishment" breitete sich schnell in ganz Europa aus und eskalierte besonders in den USA, wo Bürgerrechtsbewegung (Free Speech Movement), die Anti-Vietnamkriegs-Bewegung, und die Hippie-Subkultur (Youth International Party) in den Protest von 68 mündeten. Die von Mao Zedong 1966 inszenierte Kulturrevolution in der Volksrepublik China verfolgte zwar andere Ziele, und ist somit nur bedingt vergleichbar, diente aber manchen westlichen Studenten ebenfalls als Vorbild. Aufgefangen wurden die Ideen der 68er-Bewegung auch von anderen Gruppierungen, die in Richtung einer zivileren Gesellschaft arbeiteten: Ökologie- und Umweltschutz-

Bewegung, Schwulenbewe-
gung, pazifistische Gruppen, Hausbesetzer, Graue Panther, Bürgerinitiativen, Jungdemo-
kratInnen/Junge Linke, Jung-
sozialisten, Frauenbewegung.

Ute Kätzel
"Die 68erinnen - Porträt einer rebellischen Frauengeneration"

Die Bewegung von 1968 ist immer wieder ausführlich diskutiert worden. Der Anteil der Frauen wird dabei meistens verschwiegen. Als Hauptdarsteller werden Männer wahrgenommen wie Rudi Dutschke, Benno Ohnesorg und Joschka Fischer. Doch die "68erinnen" waren an allen Debatten und Aktionen beteiligt, haben sie zum Teil sogar selbst angestoßen. Sie rebellierten gegen die traditionelle Rolle der Frauen - 1968 war auch die Geburtsstunde der neuen Frauenbewegung.

Eindeutig im Vordergrund stand die Rezeption bereits vorhandener Theorietra-
ditionen, vornehmlich marxistischer Couleur. Der Marxismus, die Psychoanalyse, die analytische Sozial-
psychologie, die Kapitalismus-, die Klassen- und die Imperialismustheorie galt es wieder aufzugreifen, zu überprüfen und nach einer Unterbrechung von Jahrzehnten erneut einzubringen. Somit handelte

es sich bei der Protest-
bewegung der sechziger Jahre nicht um eine Rebellion aus Armut oder sozialer Benach-
teiligung, sondern um das Aufbegehren von Mitgliedern des Bildungsbürgertums bzw. der Mittelschicht, die sich in ihren Aktionen weniger von ökonomischen und un-
mittelbaren materiellen Interessen als von mora-
lischen und ideologischen Betrachtungen leiten ließen. Drei grundlegende Kritiken waren es, die den Kanon an neugewonnenen Überzeu-
gungen bestimmten: der Antikapitalismus, der Antifaschismus und der Antiimperialismus. Die erste Kritik richtete sich gegen eine auf Ausbeutung und sozialer Ungerechtigkeit basierende Wirtschaftsordnung, die zweite gegen die Nichtauseinander-
setzung mit der NS-Ver-
gangenheit und die dritte gegen die Unterjochung der Länder der Dritten Welt durch die der Ersten und Zweiten.

Manfred Görtemaker-
"1968"; In: "Kleine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland"

Die Ereignisse, auf die sich der spätere Mythos "1968" gründete, erreichten mit dem "Prager Frühling", den Pariser Mai-Unruhen und den studentischen Protesten in der Bundesrepublik im Frühjahr 1968 ihren Höhepunkt.

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