Deutsche Geschichten
Stalingrad
Stalingrad
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am 30. Januar noch per Funk die deutschen Sender hörten, bot sich an diesem Tag eine seltene Gelegenheit. Sie konnten ihren eigenen Untergang medial mitverfolgen:
"Kommst du nach Deutschland, so berichte, du habest uns in Stalingrad liegen sehen, wie das Gesetz der Ehre und Kriegführung es für Deutschland befohlen hat," tönte Göring. "Vorzeitige Leichenreden unerwünscht," funkte man aus dem Kessel zurück.
Der Rest ist schnell erzählt: Paulus, von Hitler kurz vor dem Ende befördert, setzte sich nicht den Revolver an die Schläfe, sondern kapitulierte, sehr zur Empörung des "Führers", am 31. Januar. Mit seinen Stabsoffizieren in eine komfortable Villa verfrachtet, erwies sich der Ex-Armeechef als höchst kooperativ. Zu Paulus´ Sorgen gehörte, über den deutschen Botschafter in der neutralen Türkei rasch die Abzeichen eines Generalfeldmarschalls zu beschaffen. Sie standen ihm immerhin zu.

Erfroren, zerfetzt, verhungert

Anders erging es den rund 91.000 deutschen Soldaten, die in Gefangenschaft gerieten:

Lediglich 6.000 von ihnen kehrten bis 1956 in die Heimat zurück. Schwerer zu zählen sind die direkten Opfer der Stalingrader Schlacht: Nimmt man das übliche Verhältnis von eins zu fünf zwischen deutschen und sowjetischen Verlusten als Basis, dürften etwa 600.000 Menschen um und in Stalingrad erfroren, von Geschossen zerfetzt oder verhungert sein.
Das Drama, welches Hitler inszenieren wollte, hat es also gegeben. Zynisch war das Kalkül von beiden Seiten: Zwar verteidigte der russische Soldat sein undankbares Vaterland, doch den sowjetischen Befehlshabern galten Menschenleben nichts. Stalin sah "seine" Stadt als Opferstätte, nutzte den Sieg zur Zementierung der Diktatur.

In Deutschland diente der Mythos Stalingrad den Naziführern, die dem längst verlorenen Krieg frisches Blut zuführen wollten. Goebbels Parole vom "totalen Krieg" geriet zum gelungenen Propaganda-Coup. Und Hitler setzte zwei Jahre später, ohne Stilbruch, seinen eigenen Untergang in Szene - dem verkitschten Libretto einer Wagneroper nachempfunden.

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