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1890 - 1918 / 1919 - 1933 / 1933 - 1945 / 1945 - 1949 / 1949 - 1989 / 1989 - 2016
Journalseite November
 

9. November 1918
Vom Matrosenaufstand in den Hafenstädten war der Funke der Revolution in wenigen Tagen auf fast alle Städte im Reich übergesprungen. Überall bildeten sich Arbeiter- und Soldatenräte, die die sofortige Beendigung der Feindseligkeiten und die Abdankung des Kaisers und der Landesfürsten verlangten. Aller Augen richteten sich auf Berlin. Was würde der Kaiser tun?
Kaiser Wilhelm II. besprach im Großen Hauptquartier der Obersten Heeresleitung (OHL), im belgischen Kurort Spa, mit seinen Generalen die militärische Lage und die Situation im Reich, die sich von Tag zu Tag mehr zuspitzte. In Berlin wartete der Reichskanzler Prinz Max von Baden auf die entscheidende Nachricht des Kaisers. Die Führer der SPD hatten sich ultimativ bereit erklärt, die Regierungsgewalt zu übernehmen, um zu verhindern, dass die Radikalen die Macht an sich rissen und eine Räterepublik errichteten.
Als die Nachricht aus Spa ausblieb, ließ der Reichskanzler eigenmächtig die Abdankungserklärung veröffentlichen, die erst Stunden später bestätigt wurde. Kurz nach der Veröffentlichung übertrug der letzte kaiserliche Reichskanzler die Regierungsgeschäfte an Friedrich Ebert, den Vorsitzenden der SPD, mit den Worten: »Herr Ebert, ich lege Ihnen das Deutsche Reich ans Herz.« Ebert antwortete: »Ich habe zwei Söhne für dieses Reich verloren.«
Eberts Ziel war es, mit den Führern der USPD, der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, die sich während des Krieges von der SPD abgespalten hatte, zu einer Vereinbarung zu kommen, um die Einheit der Arbeiterbewegung wieder herzustellen und die extremen linken Gruppen wie den Spartakusbund zu isolieren. Bis zum Zusammentritt einer so schnell wie möglich zu wählenden Nationalversammlung sollte eine Übergangsregierung mit den bisherigen Mehrheitsparteien im Reichstag (neben SPD auch Zentrum und Fortschrittliche Volkspartei) gebildet werden. Die Entscheidung über die zukünftige Staatsform (parlamentarische Republik oder Monarchie) sollte der Nationalversammlung vorbehalten bleiben. Ebert war deshalb über das eigenmächtige Vorgehen seines Parteifreundes Philipp Scheidemann ungehalten, der, um dem Spartakistenführer Karl Liebknecht zuvorzukommen, von einem Fenster des Reichstages die Republik proklamiert hatte.
Mit der USPD-Führung kam es zu einer Verständigung über die Bildung einer provisorischen Regierung, den Rat der Volksbeauftragten.

Quelle: "Schlaglichter der deutschen Geschichte"
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