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1890 - 1918 / 1919 - 1933 / 1933 - 1945 / 1945 - 1949 / 1949 - 1989 / 1989 - 2016
Weltweite Wirtschaftskrise
 

Außenpolitische Erfolge (Dawes-Plan)
Eine erste Entspannung in der Reparationsfrage brachte ein auf amerikanischen Druck unter der Leitung des US-Bankiers Charles Dawes entwickelter Plan, den die Alliierten und Deutschland am 16. August 1924 in London unterzeichneten. Er beruhte auf folgenden Grundsätzen:
·Die deutsche Wirtschaft sollte sich erholen, um die Zahlung der Reparationen an die Gläubiger zu gewährleisten - nur so konnten diese ihre Kriegsschulden an die USA zurückzahlen. Politisch motivierte Sanktionen wie die Ruhrbesetzung sollte es nicht mehr geben. Die Organisation der Reparationszahlungen wurde einem alliierten Beauftragten mit Sitz in Berlin, dem amerikanischen Finanzexperten Parker Gilbert, übertragen.
·Als Reparationsquellen wurden Mittel aus dem Reichshaushalt, einige direkt abzuführende Steuern und Zölle sowie Zinsen (5 Prozent) und Tilgung (1 Prozent) für Schuldverschreibungen zugunsten der Gläubigerstaaten in Höhe von 16 Milliarden GM (Hypotheken der Reichsbahn und der Industrie) bestimmt.
·Die jährliche Belastung wurde für einige Jahre verringert: Sie sollte 1924 eine Milliarde Reichsmark (RM) betragen und bis September 1928 auf die "Normalrate" von 2,5 Milliarden RM ansteigen. Bei der Umwandlung der Jahresraten in die Währungen der Empfängerstaaten konnten die tatsächlichen Zahlungen niedriger ausfallen, wenn Deutschland infolge einer negativen Handelsbilanz über zu wenig Devisen verfügte ("Transferschutz"). Als Starthilfe wurde ein US-Kredit über 800 Millionen RM gewährt, sodass von der ersten Jahressumme nur 200 Millionen RM aus Eigenmitteln aufgebracht werden mussten.
Blieben auch zeitliche Begrenzung und endgültige Höhe der Reparationen noch offen, so waren die neuen Bedingungen doch bedeutend günstiger als die des Londoner Ultimatums vom Mai 1921. Staat und Wirtschaft konnten jetzt mit erträglicheren Zahlen kalkulieren. Daher kam im Reichstag die nötige Zweidrittel-Mehrheit zustande, denn unter dem Druck industrieller und agrarischer Interessenverbände stimmte auch die Hälfte der DNVP-Abgeordneten für das Abkommen.
Am 1. September 1924 trat der Dawes-Plan in Kraft. Danach wurde das Ruhrgebiet - einschließlich der "Sanktionsstädte" Düsseldorf und Duisburg - bis Ende August 1925 von den französischen und belgischen Truppen wieder geräumt.


Quelle: "Informationen zur politischen Bildung", Copyright
Bundeszentrale für politische Bildung
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